Bad Pyrmont
Türken sammeln für deutsche KriegsgräberBad Pyrmont (jl). Als Helmut Eichmann vor einer Woche mit seiner Sammelbüchse in der Hand durch die Innenstadt zog, war das ein mühsames, weil einsames Geschäft. Zwar hatte der Pyrmonter Vorsitzende des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge (VdK) vorher bei den Schulen und diversen Organisationen um Hilfe angefragt. Doch vergeblich: Niemand wollte ihm beim Sammeln für die Pflege deutscher Kriegsgräber im Ausland helfen.
Doch wenn Eichmann heute Vormittag ab 10 Uhr wieder loszieht, ist der 59-Jährige nicht mehr allein. Denn beim Türkischen Kulturverein hat er Unterstützer gefunden: Der Vorsitzende Kemal Yilmaz und sein Stellvertreter Ramazan Eksi erklärten sich spontan zum Sammeln bereit, als Eichmann dieser Tage bei ihnen anrief. „Das war gleich eine ganz freundliche Atmosphäre“, erinnert sich der VdK-Aktivist.
Und warum wollen ausgerechnet zwei Nicht-Einheimische für deutsche Soldatengräber im Ausland sammeln? „Ich war in der Türkei mal auf einem Friedhof für unbekannte Soldaten, den Teilnehmer eines internationalen Camps richtig schön hergerichtet hatten“, erzählt Yilmaz. „Das hat mich sehr berührt.“ Zugleich aber bedauert er, dass heute „viele Jugendliche keine Ahnung von Geschichte haben und sich gar nicht dafür interessieren. Dabei sollte man das nicht vergessen“. Wenn er heute mit der VdK-Büchse losgeht, will er das wenigstens ein bisschen ändern.
„Wir sind zwar Türken, aber wir leben in Deutschland“, sagt sein Vereinskollege Eksi und erklärt so seinen Antrieb zum Sammeln. Schließlich seien auch die im Ausland zu Tode gekommenen deutschen Soldaten Opfer. Da müsse man über Grenzen hinweg denken. Und er nennt noch einen ganz schlichten Grund für seine Mithilfe: „Herr Eichmann soll nicht alleine sammeln müssen.“
Auch, wenn das Thema im öffentlichen Bewusstsein keine so große Rolle mehr zu spielen scheint – der Spendenbedarf beim VdK ist nach wie vor groß. Denn, so sagt Eichmann: „In 45 Ländern gibt es deutsche Soldatenfriedhöfe. Und gerade in Russland bestehen heute Möglichkeiten, Soldaten über 60 Jahre nach ihrem Tod zu identifizieren.“ So bekämen die Hinterbliebenen nach Jahrzehnten der Ungewissheit einen Ort für ihre Trauer. Und seine Unterstützer nicken, als er betont: „Jedes Soldatengrab ist ein Mahnmal für den Frieden.“
Was Eichmann bei seinem ersten Sammeleinsatz am letzten Samstag besonders beeindruckt hat: „Unter den Spendern waren auch eine Engländerin und ein Ukrainer.“
Sammeln heute für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (v.li.): Kemal Yilmaz, Helmut Eichmann und Ramazan Eksi. Foto: jl