Aktuelles Hessisch Oldendorf
„Augen auf!“ verhilft zum strahlenden LächelnHessisch Oldendorf (ah). Tränen in den Augen hatte eine mehrköpfige Familie, als ihr Silke Schmidt über die Initiative „Augen auf!“ Geld für den Kauf von einfachen Kleiderschränken bewilligte. „Die Eltern haben mir gleich ein Katalogbild von den Schränken gezeigt und sich einfach sichtbar gefreut, dass ihr Nachwuchs endlich eigenen Stauraum erhält“, erzählt die Schuldnerberaterin. Durch Vorlage der Quittungen ersieht sie, dass von gewährten Zuschüssen auch wirklich das Beantragte gekauft wurde.
In Notfällen hatten die Jugendlichen der Initiative der evangelischen Kirchengemeinde bisher selten finanzielle Hilfe geleistet, weil sie nicht zu überprüfen vermochten, wer wirklich bedürftig ist und wer nicht. Zu klären galt es auch rechtliche Fragen wie „Müssen Kinder von Hartz-IV-Empfängern unsere Zuwendungen als Einkünfte dem Jobcenter melden?“ Wenn das so wäre, bestünde die Gefahr, dass ihr „Geschenk“ vom Hartz-IV-Geld abgezogen werde, mutmaßten die 15- bis 20-jährigen Mitglieder der Initiative.
Da durch Spenden und einen Zuschuss der Stadt Hessisch Oldendorf in Höhe von 2000 Euro innerhalb von 14 Monaten über 10 000 Euro auf dem „Augen auf!“-Konto zusammenkamen, war es ihnen ein Anliegen, professionell und legal Geld wohltätig einzusetzen. Dafür stellten sie mit einer Wochenstunde Silke Schmidt vom Diakonischen Werk Rinteln ein. Als kompetente Ansprechpartnerin steht die Schuldnerberaterin, die seit sechs Jahren im Gemeindehaus am Kirchplatz 1 ihre Sprechstunden abhält, der Initiative „Augen auf!“ seit dem 1. März diesen Jahres zur Seite.
Unbürokratisch und vertraulich bearbeitet sie konkrete Zuschussanträge. Aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz hat sie die Möglichkeit, die Bedürftigkeit jeder einzelnen Familie nach eindeutigen Kriterien zu prüfen und eine juristisch saubere Lösung für konkrete Einzelhilfsmaßnahmen zu finden. „Über Silke Schmidt kann für Kinder aus nachweislich armen Familien finanzielle Unterstützung in einem überschaubaren Rahmen beantragt werden“, erklären die Jugendlichen der Initiative und unterstreichen: „Diese Zuwendungen werden nicht auf die Leistungen des Jobcenters angerechnet.“ In den vergangenen Tagen konnte die Schuldnerberaterin vier Familien mit insgesamt 13 Kindern, die von Hartz-IV leben, helfen.
In einem Fall klagte ein Verein gegen eine Familie, die einen einzigen Monatsbeitrag in Höhe von 25 Euro nicht geleistet, später allerdings auch nicht auf Zahlungsaufforderungen reagiert hatte. Durch die Anwaltskosten häufte sich die zu bezahlende Summe auf 250 Euro an, die die Hartz-IV-Empfänger nicht aufbringen konnten, berichtet Silke Schmidt. „Daher habe ich Kontakt zu dem Anwalt aufgenommen und ihm einen Vergleich in Höhe von 100 Euro angeboten“, erklärt sie. Das sei schon „ein Hammerfall“, von dem sie bei Vorträgen vor Schülern und Konfirmanden mit dem Verweis „das kann aus 25 Euro werden“ erzählen werde, sagt sie und fügt hinzu: „So weit muss es mit Hilfe von ‚Augen auf!‘ gar nicht erst kommen.“ Schließlich könnten Hartz-IV-Empfänger bei ihr einen Antrag auf Übernahme von Vereinsbeiträgen stellen. Gestern erreichte die Schuldnerberaterin die Mitteilung, dass sich besagter Verein auf den Vergleich einlasse. „Die 100 Euro werden jetzt vom „Augen auf!“-Konto beglichen“, sagt Silke Schmidt.
Bereits vorfinanziert wurde der Eigenanteil an einer Zahnspange für ein Kind. Bei erfolgreicher Behandlung wird die Initiative „Augen auf!“ das Geld in einem halben Jahr von der Krankenkasse zurückerstattet bekommen. In einer anderen Familie ist Geld für die Fördermaßnahmen eines der Kinder vonnöten. Die Initiative plant, drei Monatsbeiträge zu übernehmen. „Auffällig ist, dass keine der Familien von sich aus Kontakt mit der Schuldnerberatungsstelle aufnahm, sondern über Bekannte oder Einrichtungen zu mir geschickt wurde“, erklärt Silke Schmidt. Sie verweist darauf, dass Betroffene direkt in ihren Sprechzeiten am Montag, Dienstag und Freitag von 9 Uhr bis 13 Uhr unter Telefon 05152/527644 einen Termin vereinbaren können, um dann ihr Anliegen zu äußern und Anträge zu stellen.