Holzminden

„Geruchsemissionen sind nicht vorhanden“
Von Frank Müntefering

Die Heidbrink-Ziegen sollen in großen Gebäuden auf Stroh gehalten werden.

Glesse. Wenn heute in der Aula der Ritterhofschule in Polle um 19 Uhr die Bürgerversammlung beginnt, wird auch über das Ziegenfarm-Projekt der Familie Petri aus Glesse eingehend gesprochen. Bürgermeister Manfred Weiner wird die Projektidee vorstellen. „Crementell Ziegenhof“ nennt sich das Vorhaben, über das seit zwei Jahren im Landkreis Holzminden immer wieder gesprochen wird. Im Gespräch mit der Dewezet stellte Stefan Petri die Grundzüge der geplanten Investition vor.

Auf der Domäne Heidbrink, das die Familie Petri vom Land Niedersachsen erworben hat, soll eine Ziegenfarm entstehen, in der bis circa 7000 Ziegen Platz finden können. Der Bedarf am „Crementell“-Ziegenkäse von Petri Feinkost sei sehr groß, so Stefan Petri, und bislang müsse man die Ziegenmilch aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden nach Glesse schaffen. Deshalb habe man die Idee entwickelt, die Ziegenmilch in der Region zu produzieren. Am Anfang stand eine Projektidee, die dann mehrfach umgestaltet wurde. Schon vor dem Bauantrag habe man durch Gutachten und Praxisanschauungen sich mit dem Projekt in allen Varianten eingehend beschäftigt.

In der niederländischen Gemeinde Nederweert Eind gibt es eine Ziegenfarm mit 2500 Tieren, deren Aufbau das Vorbild für die Ziegenfarm Heidbrink ist. „Wir haben uns dort vor Ort informiert.“ Die Tiere werden dort in großen Gebäuden auf Stroh gehalten. So soll es auch auf dem Heidbrink sein. Als eines der ersten Themen wurde eine mögliche Geruchsbelästigung überprüft. Professor Dr. Jörg Oldenburg vom Umweltministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurde als Experte für Emissionen in der Landwirtschaft und vereidigter Gutachter mit einem Geruchsgutachten beauftragt.

Er führte seine Untersuchungen vor Ort in Holland durch und konnte so direkte Rückschlüsse auf das Heidbrink-Projekt ziehen. „Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen mit der Tierhaltung waren für mich sehr erstaunlich die große Ruhe im Stall und zweitens die faktisch nicht vorhandenen Geruchsemissionen“, stellte der Experte in seinem Gutachten fest. Am Ende hielt er als Ergebnis fest, dass der geplante „Milchziegenstall im Umfeld keine nennenswerten Geruchs- und Lärmemissionen verursachen wird.“

Partner des Projektes „Crementell-Ziegenfarm“ ist die Tierärztliche Hochschule Hannover, die den Heidbrink als Pilotprojekt für Tiermedizin und Landwirtschaft nutzen will. Hier seien jetzt schon Ideen für Forschungsarbeiten vorhanden, berichtet Stefan Petri. Seit Anfang an sei die Hochschule in Hannover ständiger Begleiter dieses Vorhabens.

Es gebe weitere Vorteile einer Ziegenfarm, so Petri. Die strukturschwache Region Weserbergland werde gestärkt, neue Arbeitsplätze geschaffen und es gebe die Chance, für weitere Landwirtschaftsbetriebe der Region in die Ziegenmilchproduktion zu investieren. Außerdem sei so eine langfristige Sicherung der landwirtschaftlichen Nutzung der Domäne Heidbrink durch die Einrichtung eines Mischbetriebes (Ackerbau und Ziegenmilchproduktion) möglich.

Die weiteren Einzelheiten des Petri-Projektes werden heute auf der Bürgerversammlung in Polle vorgestellt. Dort geht es neben der Ziegenfarm auch um die Wassergebühren in der Samtgemeinde Polle und die Abwasserleitung Brevörde-Holzminden. Fachleute vom Landkreis Holzminden, vom Wasserverband und aus dem Umweltministerium in Hannover werden Auskunft geben und den Bürgern für Fragen zur Verfügung stehen.

Artikel vom 31.08.2009 - 19.00 Uhr
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