Aktuelles Hessisch Oldendorf

Von den Feldern gleich in die Biogasanlage

Hessisch Oldendorf. Sie fahren noch immer, die Mähdrescher, denn es gilt, den letzten Weizen einzufahren, bevor der nächste Regen kommt. Einfahren, für viele Landwirte bedeutet dies nicht, das Korn ins eigene Lager zu kippen, um es in Wochen oder Monaten zu verkaufen oder ans Vieh zu verfüttern. Die Qualität des Weizens ist inzwischen so schlecht, dass viele Tonnen nicht einmal mehr so richtig als Viehfutter taugen. Carsten Amelung aus Lachem und etliche seiner Berufskollegen im Weserbergland fahren große Teile des Weizens, den sie jetzt noch von den Feldern holen in Biogasanlagen.
 „Bei 20 Prozent Feuchte, was soll man da noch machen“, zuckt Carsten Amelung mit den Schultern. Am Sonntagabend hat er das Korn nicht mal mehr aus dem Tank des Mähdreschers bekommen. „Da musste ich rein und schaufeln“, sagt der Landwirt. Gestern am frühen Nachmittag ging es weiter auf einem seiner Felder bei Hemeringen. Früher kann man nicht beginnen, die Sonne muss den Tau der Nacht erst abtrocknen. Gegen 15 Uhr kommt der erste Hänger am Hemeringer Kreisel an. Auf dem Gelände der Biogasanlage wird die Ladung gewogen und abgekippt. Auch aus Hessisch Oldendorf, wo die Mähdrescher rollen, kommen volle Getreidezüge an.
 „Die Körner haben lange Auswüchse, die Mehlkörper sind aufgezehrt“, erklärt Reinhard Sporleder von Agravis in Hemeringen. Nur am Anfang der Ernte war bei der Genossenschaft an der Herkendorfer Straße Weizen mit Backqualität angeliefert worden. Dann kam die Regenperiode, und die Qualität war dahin. Der Weizen begann auszuwachsen, trieb Keime und taugte damit nur noch zum Füttern. Die Futterwerke kauften, je länger die Ernte dauerte, aber mehr und mehr „erst nach Bemusterung“, wie Reinhard Sporleder ausführt. Selbst als Futter ist das Korn nur noch bedingt zu gebrauchen. Für ganz schlechte Qualität bleibt nur noch die Biogasanlage.
 Seit Freitag sind die Bauern wieder am Mähen. Bis gestern Nachmittag wurden auf der Biogasanlage am Hemeringer Kreisel 160 Tonnen angeliefert, wie Falk Rekate, Mitgesellschafter und Anlagenbetreuer, sagt. „Diese Menge ist frisch nicht zu verarbeiten“, betont er. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Printmedium.

Artikel vom 06.09.2010 - 16.16 Uhr
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