Aktuelles Hessisch Oldendorf

„Schönste Nachkriegskirche bleibt bestehen“

Hessisch Oldendorf (ah). Wissen Sie, wo die „schönste Nachkriegskirche in der ganzen Diözese Hildesheim“, wie es Dechant Gerhard Reithner vor zehn Jahren formuliert, steht? Genau – in der Schilfstraße in Hessisch Oldendorf! Vor 60 Jahren wird sie als „Heimat“ für die 4500 katholischen Heimatvertriebenen, die seit 1946 im Stadtgebiet leben, errichtet.
 In den evangelischen Kirchen in Fischbeck, Großenwieden, Deckbergen und Hessisch Oldendorf, den Schulen in Höfingen und Pötzen, im Saal Teigeler in Rumbeck und im Gasthaussaal in Haddessen feiern sie in den ersten Jahren nach dem Krieg Heilige Messen. Priester Max Czerwensky, wie viele andere aus Oberschlesien stammend, übernimmt im Mai 1947 die Gemeinde, die sich über das gesamte Stadtgebiet erstreckt. Von Anfang an bemüht er sich, ein Grundstück für den Bau einer Kirche zu finden. „Alle sehnten sich nach den schweren Bedrängnissen durch die Vertreibung und den Verlust der vielen schönen Kirchen in der Heimat nach einer eigenen Kirche in der Diaspora“, erinnert sich Max Czerwensky im August 2000.
 Im April 1950 ist es soweit: Auf einem Grundstück in der Schilfstraße wird der erste Spatenstich vorgenommen, nachdem der Pfarrer aufgefordert hatte, „in Gemeinschaftsarbeit einen wirklichen Platz des Friedens zu schaffen“. Männer, Frauen und Kinder packen unter Leitung von Josef Schuba mit an, noch im selben Monat findet die Grundsteinlegung, am 10. Mai bereits das Richtfest statt. Heranwachsende wie Siegfried Schuba, Sohn des Bauleiters, oder Josef Iwan eilen nach der Schule oder in der Mittagspause zu Hilfe, wenn Steine von Lastwagen abgeladen werden müssen. Die 15-jährige Christa Schulte kommt zu Fuß aus Heßlingen, setzt mit der Fähre über, um Steine weiterzureichen. Viele Kinder sammeln für den Taufstein Geld, indem sie ihre Dienste etwa beim Auflesen von Kartoffeln anbieten. Aber auch der geschäftstüchtige katholische Pfarrer kümmert sich um eine Aufbesserung der Finanzen, indem er im Rheinland sogenannte Bettelpredigten hält. Innerhalb von weniger als fünf Monaten wird nicht nur die Kirche, sondern auch das dahinterliegende Jugendheim errichtet.
 Am 27. August 1950 feiern die Katholiken in der neu erbauten Kirche ihre erste Heilige Messe. Christa Schulte erinnert sich daran, wie dicht gedrängt und ergriffen die Besucher des Kirchweihfestes im Gotteshaus nebeneinander stehen. Am heutigen Samstag feiert die katholische Pfarrgemeinde ihr 60. Kirchweihfest, das um 15 Uhr mit einer Heiligen Messe beginnt. Im Anschluss daran kann im Pfarrheim eine Ausstellung zum 60-jährigen Bestehen der Kirche besucht werden. Ein Luftballonwettbewerb wartet auf die Kinder, außerdem die Preisverleihung eines Malwettbewerbs. Auch Musik und Tanz stehen auf dem Programm. Mehr lesen Sie in unserem Printmedium.

Artikel vom 27.08.2010 - 15.46 Uhr
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