Hessisch Oldendorf
Kirmes Fuhlen – über Paletten und Stroh zum FestzeltVon Annette Hensel
Der Festplatz war dermaßen aufgeweicht, dass er nur über Holzpaletten und Stroh zu begehen war.
Fuhlen. „Wie gut, dass bereits am Mittwoch Festzelt und Fahrgeschäfte aufgebaut wurden“, sagt Dennis Schimonik im Rückblick. Den darauffolgenden Tag wird er nicht so schnell vergessen: Es regnet und regnet – und der ganze Festplatz gegenüber dem Feuerwehrhaus versinkt im Schlamm, ist weder befahrbar noch begehbar. „Einen halben Tag Arbeit mussten wir investieren, um Wege zu den Fahrgeschäften, Buden und zum Festzelt am Ende des Platzes anzulegen“, erzählt der Vorsitzende des Fuhlener Kirmesvereins.
Mehr als zehn Mann verteilen Stroh als Polster, das den Matsch ein wenig bindet. Das reicht jedoch nicht, um die Strecke zum Zelt trockenen Fußes zurückzulegen. Sebastian Bartnik, ehemaliger Kirmesvater, kann von seinem Arbeitgeber Holzpaletten in Wabenform besorgen, zwei Anhängerladungen sind notwendig. Unentwegt ist Dennis Schimonik am Telefonieren, um zu organisieren und zu delegieren. Zwei Wochen Urlaub hat er sich genommen, eine Woche für die Kirmesvorbereitung, eine Woche fürs Aufräumen und Schlaf-Nachholen.
Die Kirmes beginnt mit einer Kinder- und Zeltdisco. Dabei bleiben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück, gefeiert und getanzt wird dennoch ausgelassen. Es gebe strenge Alkoholkontrollen in Höhe der Fuhlener Weserbrücke, wird den Kirmesburschen berichtet, die erklären: „Bei uns lief alles sehr ruhig und gesittet.“ Gut besucht ist das Kinderfest mit verschiedenen Spielstationen im Zelt und Autoscooter- und Karussellfahrt auf dem Festplatz. Abends sorgt die Live-Band „Nordix“ mit Hits aus den vergangenen Jahrzehnten für super Stimmung. „Es hat lange gedauert, bis sich das Zelt füllte, aber um Mitternacht war die Tanzfläche dann voll“, sagt Dennis Schimonik. Im Laufe des Abends steigt die Gräfin des letztjährigen Kirmesspiels, Annika Schüte, zur Königin auf: Die 20-Jährige ist bei einem Autoscooter-Parcours unter erschwerten Sichtbedingungen die Schnellste, bekommt dafür Krone, Schärpe und Blumen und darf beim Umzug im offenen Auto fahren.
Beim Umzug säumen nur ein paar Dutzend Gäste den Straßenrand, um den Sülter Musikanten, den Vereinen und Ratsmitgliedern zuzuwinken. Die Regenschirme bleiben größtenteils zu, da unterwegs nur Nieselregen einsetzt. Dafür öffnen sich unmittelbar nach dem Umzug die Schleusen am Himmel, schnell füllt sich das Festzelt mit Kaffeegästen, kein Platz bleibt frei. Den folgenden Wettkampf der Vereine um den Kirmespokal entscheidet der Rumbecker Kirmesverein auf einem Geschicklichkeitsparcours für sich, bevor die 451. Kirmes in Fuhlen mit der Katervesper gemütlich ausklingt.
Insgesamt vier Stunden hat Dennis Schimonik in zwei Nächten geschlafen. Auch der Tag nach der Kirmes beginnt unerwartet früh: Ein Lastwagen hat sich auf dem Festplatz festgefahren, der über Nacht ausgiebig von oben gewässert worden war. Das Fahrzeug kommt nicht vor, nicht zurück. Ein leerer Anhänger, der das Zeltgestell transportieren soll, ist tief im Schlamm eingesackt. „Mit zwei Traktoren und vollem Körpereinsatz haben wir die Fahrzeuge schließlich im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Dreck gezogen“, sagt Schimonik. Beim Versuch, die Fahrzeuge wieder flottzubekommen, haben sich Stroh und Matsch dabei wie mit einem Schneeschieber zusammengeschoben, die Mischung hat sich zwischen den Reifen des Lkw und des Anhängers festgesetzt.
Noch sind Restarbeiten zu erledigen, müssen Rechnungen beglichen werden, um zu sehen, was finanziell bei der Kirmes übrig bleibt. „Unter Berücksichtigung des Wetters sind wir mit dem Verlauf zufrieden, freuen uns, dass wir so tatkräftig unterstützt wurden, dass die Leute zu uns gekommen sind und die Stimmung so gut war“, erklärt der Kirmesvater, der erklärt, dass „jede Kirmes einen um zehn Jahre älter macht“.
Eine Bildergalerie zum Fest finden Sie im Internet unter www.dewezet.de