Aktuelles Kultur

wann gehen Actionhelden eigentlich in Rente, Herr Stallone?

Von Michael Ranze

Eigentlich sind die achtziger Jahre mit ihren handgemachten, geradeaus inszenierten Blockbustern schon lange vorbei. Doch Haudegen Sylvester Stallone, mit 64 Jahren eigentlich pensionsreif, holt sie noch einmal mit Macht zurück und lädt die Kampfmaschinen von damals zum Klassentreffen ein. Steven Seagal wollte nicht, Jean-Claude van Damme konnte nicht. Dafür kamen Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Mickey Rourke, Bruce Willis. In einem Cameo schaut Arnold Schwarzenegger kurz herein, bedauert, mit anderen Aufgaben beschäftigt zu sein und geht wieder. „Der will Präsident werden!“ ruft ihm jemand hinterher. Sorry, liebe Leser – das war schon der beste Gag.
 Denn Stallone nimmt seinen Dienst beim Dreh bierernst. Action ist nun mal Schwerstarbeit. Humor und Ironie lenken nur unnötig ab. Der alte Schlagetot hatte Anderes im Sinn. Muskeln, Narben, Tattoos, rasante Schlitten, aufgemotzte Chopper, Verfolgungsjagden, ganz viele Waffen, die ganz viel Krach machen, Ballereien, Stunts und Explosionen – „The Expendables“ ist testerongeschwängertes Kino für ganze Kerle, die schon weiland bei „Phantom Kommando“ (1985) oder „Rambo 3“ (1988) glasige Augen bekamen. Damals wie heute ist die Handlung nicht so wichtig: Stallone, der auch Regie führte und das Drehbuch schrieb, steht als Barney „The Schizo“ Ross dem titelgebenden Söldnertrupp vor, der zuerst Piraten vor Somalia, dann dem Diktator einer fiktiven Bananenrepublik, natürlich in Lateinamerika, auf die Finger klopft. Kuba könnte gemeint sein, und weil die Menschen in den Straßencafés so unglücklich gucken, ist die Mission der Männer moralisch natürlich gerechtfertigt. Von nun an wird aus allen Rohren geschossen, Köpfe platzen, Körper zerspringen – dieses Übermaß an Gewalt, so ganz ohne doppelten Boden dargeboten, irritiert dann doch.
 Dass Stallone für anstrengende Actionarbeit mittlerweile zu alt ist, er trotz dicker Schminke auch so aussieht und ihm zur Darstellung des amtsmüden Einzelgängers die schauspielerischen Mittel fehlen – Schwamm drüber. Selbstironie war noch nie seine Stärke. Da war Danny Glover mit seinem Seufzer „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“ im letzten „Lethal Weapon“-Teil schon sehr viel weiter.

- „The Expendables“ läuft im Maxx-Kino Hameln ab Donnerstag, 26. August, täglich um 19.45 Uhr, am Freitag und Samstag auch um 22.15 Uhr.

Artikel vom 25.08.2010 - 15.55 Uhr
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