Aktuelles Kultur

Spielzeitbeginn mit Schauspielen und Sahnetorten gefeiert

Gebackenes bei Gesang: die „Gehörgänger“ bringen ein Ständchen. Foto: geb

Von Julia Marre

Hameln. Normalerweise fühlt sich Traute Römisch eher unwohl, wenn sie im Bus nur einen Platz ergattert, der entgegen der Fahrtrichtung angebracht ist. „Dann wird mir leicht schlecht“, lacht die Schauspielerin. Doch ein paar Mal im Jahr fährt sie gerne rückwärts mit dem Bus. Sogar öfter als geplant. In der einen Hand hält sie dann eine Mappe voller Manuskripte – von Hans Scheibners „Maulwurf“ bis zum Songtext vom Ärzte-Hit „Lasse reden“. In der anderen ein Mikrofon, über das sonst nur Busfahrer so etwas wie „Bitte weiter durchgehen“ von den Fahrgästen fordern. Beim gestrigen Theaterfest kamen die rollenden Lesungen im Öffis-Bus wieder einmal gut an. So gut, dass es eine Zusatzfahrt gab. Aber nicht nur das war ein wohlschmeckender Appetithappen, der neugierig macht auf die neue Spielzeit.
 Da gibt es Kuchen, soweit das Auge reicht. Und kulturelle Angebote? Sogar noch darüber hinaus. Auf ihre unverwechselbare Art muntern die „Gehörgänger“ ihr Publikum gesanglich auf. „Sie können auch tanzen“, erwähnt Sängerin Elisa Salamanca beinahe beiläufig, ehe es trockenhumorig mit den ausgelosten Liedern weiter im Programm geht. Im Kindertheater klettert Katinka Maché als „Der kleine Wassermann“ um Tische, wirft mit Sand und schläft sich dem Erwachsenendasein entgegen. „Warum schnarcht die, das ist doch eine Frau…?“, wundert sich eine kleine Besucherin während des fantasievoll inszenierten Otfried-Preußler-Stückes. Maritim bleibt es mit den Pädagogian Harmonists. Besungen wird vom Lehrerquintett die „Liebe der Matrosen“. Und was ist bei schönstem Sonnenschein der Getränketipp der Vokalisten? Na klar doch: „Badewasser schlürfen“, sagt Dierk Rabien.
 Währenddessen unternimmt Lars Brock, der im Theater eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik absolviert, eine Reise in die Historie der Lichttechnik. Das älteste Schätzchen in seiner Sammlung ist ein großer Fluter. Und das junge Publikum turnt mit Theaterpädagoge Mark Kewitsch in der Kantine durch diverse Spielchen. Das Ensemble DeichArt macht zwischen „Roxanne“ und Rotlichtgeschichten neugierig auf ihr intimes Erzähltheater „Schwitzende Männer im Schuhgeschäft“, ehe Ulrike Pinnhammer mit Chansons das Fest ausklingen lässt. Damit endet, laut Fahrplan, vorerst auch für Traute Römisch die Zeit des Rückwärts-Busfahrens.

Artikel vom 05.09.2010 - 19.01 Uhr
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