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Im Bild ganz klassisch - aber mit skurrilen Sprachspielen und WoSpielte den 2. Satz aus Franz Schuberts Sonate A-Dur "opus posthum": Laura Gallati. Foto: Dana
Von Richard Peter
Hameln. Ungewohnte Hektik vor Ausstellungsbeginn im Kunstkreis, der sonst so gelassen und vorbereitet seine Ausstellungseröffnungen zelebriert. Und auch Gisela Breitling erst punkgenau zum Start in die Herbstsaison im Studio. Und als Überraschung: Schuberts 2. Satz aus der A-Dur Sonate „opus posthum“ mit Laura Gallati – und ein bisschen Multikulti auf Deutsch: eine Schweizerin mit dem Österreicher Schubert im Kunstkreis für Gisela Breitling.
An den Wänden: was gerne als klassisch bezeichnet wird – Gemälde, Pastelle, Graphik. Akte vorzugsweise, Porträts, Stillleben – aber auch eigenwillige Radierungen nahe am Surrealismus, wie das Dürerhaus als „Schiefer Turm“ oder auch „Herr und Frau Lot“ und die „Paraphrase zu Dürers Fortuna“.
Gisela Breitling, berühmt als Malerin – aber auch als Literatin, deren Sprachspiele von Wortwitz und skurriler Fantasie zeugen. Und schließlich: die Künstlerin als Autorin eines Bandes, der in den 80er-Jahren wie eine kleine Bombe zündete. „Die Spuren des Schiffs in den Wellen“ hieß der Band, in dem Gisela Breitling so betroffen wie engagiert der Situation ihrer Kolleginnen nachforschte. Und feststellte, dass nicht nur einer Judith Leyster – obwohl mit ihrem Namen signiert – ihr Meisterwerk „Der fröhliche Zecher“ schlicht Frans Hals zugeschrieben wurde, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Unzählige Beispiele, in denen Künstlerinnen ihre eigene Kunstgeschichte verweigert wurde. Anlass 1985 in der arche sich in der Ausstellung „arche feminin“ mit der „Frau in der Kunst“ zu beschäftigen. Gisela Breitling, 1981 schon einmal – damals mit Hannelore Borchers – im Kunstkreis ausgestellt, ist, wie Dr. Christina Türmer-Rohr in ihrer Einführung am Samstagnachmittag sagte, eine „Außenseiterin“, der bereits früh „Standhaftigkeit gegenüber dem Diktat des jeweiligen Zeitgeistes“ attestiert wurde. Sozusagen zeitlos ihre Porträts, die Akte vor allem, die über das Sichtbare auf das Innere zielen. Breitlings Frauen – wenn man das so sagen kann – reagieren auf den Betrachter. Selbstbewusst – und zum Stolz immer auch ein bisschen Ironie im Blick.
Das Porträt, aber auch die Stillleben oder Landschaften, schon so oft für tot erklärt – bei Gisela Breitling sind sie wieder höchst lebendig. Fesseln den Blick, weil sie ihre eigene Handschrift besitzen, durch ihre Einfachheit überrumpeln.
So kämpft sie, wie Dr. Türmer-Rohr es formulierte, „gegen die falsche Universalität des Männlichen und für eine Universalität, in der das Weibliche seinen rechtmäßigen Platz findet und das Männliche sein tatsächliches Maß“ – und ergänzt: „Dieses Maß darf künftig nicht mehr das Maß aller Dinge sein“.
Am 26. September, 11 Uhr, findet im Kunstkreis eine Lesung der Künstlerin statt – und wie es in der Einladung heißt: „Ein Capriccio mit Sprachspielen, Satiren, Schüttelreimen und anderen Texten“ dieser so liebenswerten Doppelbegabung.
4 Die Ausstellung ist geöffnet bis 10. Oktober: mittwochs bis donnerstags von 11 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, freitags und sonntags von 11 bis 13 und samstags von 10 bis 13 Uhr.