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Facettenreich: Die durch den Hip-Hop gehenSzene aus dem Tanzstück "Schöner Wohnen" Foto: Theater
Von Julia Marre
und Robert Michalla
Hameln. Karton auf, Kopfhörer raus, Musik an. Hip-Hop ist mehr als tief hängende Hosen und hoch aufgesetzte Baseball-Caps. Hip-Hop ist facettenreich. Wie facettenreich, das zeigt die Hamburger Hip-Hop-Academy am Samstag im Theater Hameln. „Schöner Wohnen“ heißt die Kennenlern-Show für Hip-Hop-Einsteiger. Dem bunt gemischten Publikum im gut besuchten Saal gefällt’s. Das Tanztheaterstück von A bis Z.
Adidas: Ist wie Nike eine Kultmarke für Hip-Hopper (siehe Hip-Hop); wird am meisten zelebriert in Form von Sneakers, also Turnschuhen.
Beatboxing: Das Nachahmen von Musik mithilfe des Mundes und des Mikrofons beherrscht Guido Höper perfekt.
Choreografie: ist hier nicht immer synchron, aber schön anzusehen.
Darsteller: Can Gülec, Franklyn Kakyire, Emefa Egblomassé, Daniel Marques Barbosa, Guido Höper, Stefan Schönfeldt, Cem Arslan und Tobias Blanck können besser rappen, beatboxen und tanzen als schauspielern.
Electric Boogie: In weißen Anzügen und mit Wasserkanistern auf dem Kopf tanzt das Quartett einen schlafwandlerischen Astronauten-Spaziergang in dieser Hip-Hop-Tanzrichtung.
Flow: Zusammenspiel von Stimme, Melodie, Text und Aussprache des Rappers (siehe Rap); Cem Arslan hat mehr davon als Tobias Blanck.
Grundkurs: „Schöner Wohnen“ ist ein solides Einmaleins für Hip-Hop-Einsteiger. Kenner dürften während der 90-minütigen Show manchmal Däumchen drehen.
Hip-Hop: Urbane Jugendkultur, die hier in den Kategorien Rap, Beatboxing, Tanz und Graffiti – in Form von Kartonmalerei – vorgestellt wird (siehe Grundkurs).
Inhalt: In eine Rahmenhandlung wird das Stück gepresst – es geht um den Einzug Jugendlicher in ihre erste eigene Wohnung, die sich nicht als Paradies entpuppt. Leider endet das Stück allzu abrupt.
James Brown: Songs des Funksängers wie „Sex Machine“ eröffnen das Stück. Später gibt es Lieder von Cypress Hill, Kris Kross und den Beastie Boys. Die Musikauswahl ist vielseitig: Neben Rap gibt es Breakbeats sowie Funk und Soul der 1970er Jahre.
Kartons: Dienen als Bühnenbild und Projektionsfläche sowie als Aufbewahrung für Requisiten (siehe Pulli).
Loop Station: Elektronisches Gerät, mit dem sich Musikschnipsel, sogenannte Samples, aufnehmen und abspielen lassen – damit baut Guido Höper erstaunliche Songs zusammen (siehe Beatboxing).
Musicalkrankheit: Daran, dass Handlung und Tanzszenen holprig ineinander übergehen, leidet dieses Stück hin und wieder.
New Style: Durchchoreografierte Weiterentwicklung des ursprünglichen Breakdances, gekennzeichnet durch rhythmischen Studiotanz. In diesem Stil tanzt auch die Kompagnie; der New Style hat wenig gemein mit wilden Tanzschritten und Drehungen auf dem Kopf.
Ooooooh: Kollektives Bedauern des Publikums am Ende der Aufführung; Zugaben gab’s nicht.
Pulli: Nach seinem Polyester-Ungetüm sucht Tänzer Can Gülec. Der Pulli stammt aus den USA, dem Mutterland des Hip-Hops.
Quartett: Als solches treten Can Gülec, Franklyn Kakyire, Emefa Egblomassé und Daniel Marques Barbosa auf. Sie zeigen unterschiedliche Hip-Hop-Tanzstile (siehe New Style) auf unterschiedlichem Niveau: Can Gülec und Franklyn Kakyire ernten den lautesten Applaus.
Rap: Sprechgesang und Kernelement des Hip-Hops. Cem Arslan und Tobias Blanck treiben damit die Handlung voran. Das ist funktional, aber selten virtuos.
Storm: Niels „Storm“ Robitzky ist Choreograf des Stückes und Trainer an der Hip-Hop-Academy. Außerdem ist er einer der bekanntesten deutschen Breakdancer und mehrfacher Weltmeister.
Tanztheater: „Schöner Wohnen“ beinhaltet zu wenig davon, dafür gibt es viele erzählende Sequenzen.
Unterhaltungsfaktor: Ist dank der Darsteller und der Musik (siehe James Brown) groß.
Videoprojektionen: Per Beamer werden Filmchen aufs Bühnenbild (siehe Kartons) projiziert. Schöne Idee. Besonders dann, wenn die Tänzer mit ihrem Ebenbild um die Wette tanzen.
Wettkampf: Battle, Kräftemessen zwischen Tänzern oder Rappern.
Zimmer: Mit Umzugskisten (siehe Kartons) arrangiertes Bühnenbild.
Hip-Hop-Party Theater