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Einfallsreiches Spiel: "Tom Sawyer" als sympathisches Stück

„Krass“: Muff Potter sitzt im Gefängnis – können Tom Sawyer (Christian Kruse) und Huckleberry Finn (Achim Fuchs) ihm helfen?
Von Julia Marre
Hameln. Wo der Mississippi fließt? Na klar, mitten durchs Theater. Dort nämlich zeigte das Figurentheater Filou Fox aus Hannover nun seine wundervolle Interpretation der Abenteuergeschichte um Tom Sawyer und Huckleberry Finn – frei nach Mark Twain. Bevor es losgeht, befreien sich die Puppenspieler Christian Kruse und Achim Fuchs aus einer selbst erdachten Rahmenhandlung. Sie berichten vom verspätet eintrudelnden Dampfer, weil sich ein Krokodil in dessen Rad verfing. Setzen sich an den Bootssteg neben ihr Gepäck und seufzen: „Das kann ja lustig werden.“ Oh ja, das wird es.
Denn was folgt, ist mehr als bloß die auf 60 Minuten gestraffte Sammlung an Lausbubenstreichen des Tom Sawyer. Diese erzählen die Schauspieler nicht nur liebevoll mit ihren Puppen, sondern spielen sie zuweilen auch mit ganzem Körpereinsatz lebhaft nach. Noch mehr aber begeistert die Idee, einen Großteil der Puppen als Flaschen mit Köpfen auftreten zu lassen. Da klirrt es, als Doctor Robinson im „Jack Daniel’s“-Gewand gegen den Landstreicher Muff Potter in seiner hochprozentigen Apothekerflasche kämpft. Was die Mordwaffe ist? Natürlich ein Korkenzieher. Um die Vorgänge auf dem Friedhof stimmungsvoll in Szene zu setzen, wabert Bühnennebel zwischen den Gräbern. Die gute alte Weinkiste schlüpft
als Multifunktionselement in zig Rollen, ist zugleich Zaun, Gefängnis, Berg und Höhle. Während die ausgeschlachtete Wanduhr Schrank und Haus darstellt. Dazu noch die selbst komponierten Melodien, die Christian Kruse auf der Gitarre spielt – fertig ist das perfekte Theatererlebnis, das augenzwinkernd und respektvoll mit dem Klassiker umgeht.