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Bei "Harold und Maude" prasselt Comedy auf die zarte Romanze

Bei ihnen ist alles biologisch-dynamisch: „Es ist besser, wenn man nicht zu moralisch ist, dabei entgeht einem zu viel im Leben“, sagt Maude. Harold lernt durch sie zu leben. Foto: Klaus Fröhlich/ Theater

Von Julia Marre

Hameln. Es gibt keinen Beerdigungswagen. Auch keinen Jaguar. Die wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei fehlt. Niemand schnitzt hier eine Eis-Skulptur. Nachbarn? Fehlanzeige. Und eine Militärkarriere als Ausweg aus dem depressiven Eigenbrötler-Dasein wird nur am Rande erwähnt. Dennoch ist es längst nicht schlecht, was das Theater Osnabrück aus „Harold und Maude“ macht. Aus jener zauberhaften Geschichte des orientierungslosen 18-jährigen Harold, der auf einer Beerdigung die lebensfrohe und impulsive Maude kennenlernt. Aus jener leicht anarchistischen Komödie, die von der innigen Freundschaft zwischen dem Jungen und der Seniorin erzählt. Aus jenem Märchen, das zwar kein gutes Ende nimmt, aber dezent über das Leben, die Liebe und die Freundschaft philosophiert.

Keine Frage: Das Ensemble meint es gut mit dem Filmklassiker. Manchmal gar zu gut. Schade, dass die Kostüme (Werner Fritz) nach einem lustig-bunten LSD-Trip durch den Kleiderschrank aussehen. Denn Biederkeit und Oberflächlichkeit – die als Kontrapunkt auf Maudes farbenfrohe Welt treffen – lassen sich kaum durch wilden Mustermix ausdrücken. Da kommt das besondere Universum der alten Dame nicht ausreichend zur Geltung. Was zum Glück nicht an der schauspielerischen Leistung liegt! Christel Leuner ist eine wunderbare Maude: positiv, klug und rundum liebenswert. Laurenz Leky wirkt in der Rolle des reifenden Harold unbeholfener als nötig. Nicole Averkamp als Mutter lässt mit ihrer karikierenden, schwülstigen Darstellung die Handlung in alberne Comedy abgleiten. Auch die Auftritte der potenziellen Schwiegertöchter (allesamt verkörpert von Lieko Schulze) gehören wohl eher in ein überzogenes Boulevardtheater als in dieses tiefsinnige Spiel mit Anderssein und Angepasstheit.
 Doch abgesehen von den schwachen Momenten, hat Marcel Keller diverse gute Regie-Einfälle. Schön etwa, wenn Mrs. Chasen telefoniert und als Antwort schrilles Geschnatter zu hören ist. Oder wenn die tierliebe Maude Vogelfutter ins Publikum wirft und es besonders mit „der dicken Amsel“ gut meint.
 Auch das Bühnenbild istperfekt gestaltet. Mit einer halbrunden Drehkonstruktion lässt sich problemlos zwischen Harolds sterilem Elternhaus und Maudes uriger Bude hin- und herschalten. Auf die Wände projizierte Fotos erzählen die Handlung dann weiter, wenn das Theater an seine Grenzen stößt. Eine solide, aber gut gelöste Inszenierung – und anhaltender Applaus für einen langen Theaterabend.

Artikel vom 04.03.2010 - 17.42 Uhr
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