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"Alice im Wunderland": die Geschichte mit Ideen perfektioniert

Alice (Mia Wasikowska) trifft auf den Hutmacher (Johnny Depp).

Von Michael Ranze

Irgendwann musste es passieren: Tim Burton, Hollywoods phantasievollster und bilderfinderischster Regisseur („Sweeney Todd“), hat Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ verfilmt. Warum nicht schon eher?, fragt man angesichts des Einfallsreichtums, der ungewöhnlichen Bilder und des schrägen Personals, das wie gemacht ist für einen Burton-Film. Eigentlich ist „Alice im Wunderland“, 1865 veröffentlicht, ein Kinderbuch. Doch Carroll spielte mit der Sprache, gewann ihr Widersprüchlichkeiten ab und gebrauchte logisch-semantische Paradoxien in so meisterhafter Weise, dass Figuren und Zitate aus dem Märchen in den Sprachgebrauch übergingen.

Wer die Handlung noch nicht kennt: Die 19-jährige Alice (Mia Wasikowska) soll auf einer Gartenparty einem ziemlich drögen, aber reichen Langweiler das Ja-Wort geben. Zumindest erwartet das jeder. Doch das Mädchen folgt stattdessen einem weißen Kaninchen und fällt durch ein Loch in der Erde in das surreale Unterland, in dem es zahlreiche Abenteuer bestehen muss. Sprechende Tiere, grinsende Katzen, rauchende Raupen – nichts ist unmöglich. Weiterhin treten auf: Tweedledee und Tweedledum, die kleinen runden Zwillingsbrüder, die böse Rote Königin (Helena Bonham-Carter), die sanftmütige Weiße Königin (Anne Hathaway) und der verrückte Hutmacher, den Johnny Depp in einer Mischung seiner vorangegangenen Tim-Burton-Figuren, vor allem Willy Wonka („Charlie und die Schokoladenfabrik“) und „Edward mit den Scherenhänden“, anlegt. Burton ist wieder in seinem Element: wundervolle, eigenwillige Charaktere, atemberaubendes Set-Design, phantasievoll-bunte Kostüme, perfekte Special Effects und ein zurückhaltender Gebrauch der 3-D-Technik, die sich sinnvoll in die Handlung einfügt. Manchmal weiß man gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Vieles hat Burton weglassen müssen, einiges hinzugefügt. So gibt es ständige Diskussionen darüber, ob Alice auch die Richtige ist, die, auf die alle gewartet haben, ihre Bestimmung wird angezweifelt. Ihre Freundschaft mit dem verrückten Hutmacher hat mehr emotionale Tiefe als im Buch. Der Regisseur hat den Nonsens der Vorlage mit Verve und Ideenreichtum seinem Universum anverwandelt. So ist es doch wieder ein typischer „Burton“ geworden.

- „Alice im Wunderland“ läuft derzeit täglich um 14.45, 17.20 und 19.45 Uhr im Maxx-Kino. Freitag und Samstag auch 22.30 Uhr.

Artikel vom 03.03.2010 - 16.45 Uhr
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